die Aussteller
Martin Meyer
079 247 75 39

Leo Remond

Die Aussteller zeigen diesmal vorwiegend Werke, die in den letzten zehn Jahren entstanden sind. Mit Leidenschaft verfolgt Leo Remond in seinem „Alterswerk“ seine lebenslange Arbeit weiter – mit unverminderter, ja vielleicht zunehmender Vehemenz. Seine Thematik ist anlässlich früherer Ausstellungen wie folgt beschrieben worden:

„Das Raumerlebnis ist für mich wesentlich. Ich versuchte lange, die für mich ebenso wichtige menschliche Figur mit dem Raum in Beziehung zu setzen. Immer wenn ich den Menschen klein ins Bild setzte, wurde der Raum monumental, und wenn ich den Raum verkleinerte, wurde die Figur übermenschlich gross. Die Lösung des Problems kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel: ich malte die Raumbegrenzung durchlässig, setzte ihr Augenhöhlen ein, sie wurde ein Gesicht – die Maske entstand.“

Leo Remond in einem Gespräch anlässlich der Verleihung des Kulturpreises der Gemeinde Allschwil 2001

„Ich werde häufig nach meinen Masken gefragt. Ich habe die folgende Antwort: Der Mensch besteht aus drei Menschen: wie du angeschaut wirst, wie du dich selber empfindest, und wie du wirklich bist. Das sind drei sehr grosse Differenzen. Und dies versuche ich, in meinen Bildern zu zeigen. Das ist mein Malprogramm. Wenn ihr sonst noch was wissen wollt, müsst ihr fragen.“

Leo Remond anlässlich seiner Ausstellung „Menschliche Situationen“, Die Aussteller 2004


„Ein grosses Thema herrscht vor, ein Motiv – ein „Klang“ auch, und insofern ist das Motiv ebenso ein „musikalisches“: das Verstecken. Selbstverständlich bezieht das Verstecken auch das Versteckte mit ein, und so ergibt sich die grosse Dialektik im Lebenswerk von Leo Remond, dass da einer malt und zeichnet, also zeigt, um als wesentlichen Zweck seines Arbeitens ein Etwas nicht zu zeigen. Nicht das Abwesende als Bild, das gibt es ja auch, sondern das Versteckte – das ist ein wesentlicher, feiner Unterschied…

Die Bilder tragen alle das deutliche, das hervorgehobene Merkmal des Geheimnisses als solchem – und nicht seiner Lösung oder Entschleierung. Damit ist bereits geklärt, dass Leo Remonds künstlerischer Fixpunkt in der Darstellung des Menschen liegt, denn nur der Mensch versteckt, verbirgt, nur der Mensch schafft Geheimnisse…

Man darf von ihm nicht erwarten, er bringe Licht und Erhellung ins Verdunkelte, Unverstandene. Je tiefer er dorthinein dringt, je künstlerischer er damit umzugehen weiss, je eigenartiger seine Malsprache wird, desto verrätselter wird und muss sein, was er malt und zeichnet…

„Es ist das Innerste, was ich male, aber das Innerste kann man nicht zeigen“. Unter dieser Unmöglichkeit, unter dieser Unfähigkeit von uns allen leiden die Menschen auf Leo Remonds Bildern, und derselbe Widerspruch spiegelt sich auf ihren Gesichtern, formuliert sich in den Masken, die sie – wir – uns entgegenhalten.“

Aus: Monografie von Tadeus Pfeifer, Friedrich Reinhardt Verlag, 1991


„Die Werke Leo Remonds kreisen nach wie vor um sein lebenslängliches Thema: die Schilderung menschlicher Situationen. Remond stellt Menschen auf eine Bühne, einzeln oder in Gruppen, Menschen, die über ihr Schicksal oder den Sinn ihres Lebens monologisieren, nachdenken, diskutieren, Nähe und Geborgenheit suchen oder abweisen, von Sehnsucht, Trauer, Lust oder Auflehnung beherrscht werden. Häufig unterbrechen jedoch die Protagonisten ihr Selbstgespräch, ihren Dialog, damit der Bildbetrachter nicht zu tief in ihre Gedankenwelt eindringen kann – Remond’s künstlerische Mittel geben diesen Szenen jedoch eine geheime Bedeutung, die sich nicht voll entschlüsseln lässt, den Betrachter aber auf seltsame Weise ins Geschehen einbezieht.“

Galerietext zur Ausstellung „Neue Arbeiten“, Die Aussteller 2007

„Altersweisheit am Abgrund: Leo Remond zeigt verstörende Bilder von Menschenhüllen, gemalt mit grimmigem Humor… Remond hat als Maler die Rolle des traurigen Weissen Clowns gewählt. In dieser kann er weise sein, gütig, bodenlos, frech, traurig, tröstend, unheimlich, angsteinflössend – und eben den ganzen Menschen erfassend, entlarvend, immer figürlich. Was Remond innerhalb des Prismas seiner Künstlerschaft zeigt, sind seine Antworten auf die Fragen der menschlichen Existenz, welche sich wie eine Zwiebel vor ihm aufschält. Er wird nie fertig. Schon darum nicht, weil dieser Maler die Fragen als das begreift und darstellt, was sie sind: Fragen.“

Tadeus Pfeifer in der Basler Zeitung, 1.11.2007

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