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Oliver Reigber

Oliver Reigber

Oliver Reigber wurde 1964 im kolumbianischen Kali geboren. Sein Lebensweg führte den Juristen und Rückversicherungsfachmann durch viele Länder: Deutschland, Venezuela, die Vereinigten Staaten und schliesslich in die Schweiz. Nachdem er mit seiner Frau Beth und seiner Gwendolyn im Jahre 2005 von New York in die Schweiz gezogen war, verunglückte Oliver Reigber an der Rigi Scheidegg mit seinem Gleitschirm so schwer, dass er sich mit einer Querschnittlähmung und einer Hirnverletzung in der Reha wiederfand. Es ist erstaunlich, wie schnell sich Oliver Reigber in seiner neuen Situation im Rollstuhl zurechtfand, die sein Leben bis in die Grundfesten erschütterte. 2007 trat er in die Kreativwerkstatt des Bürgerspital Basel ein und begann seine eigene Geschichte – vor allem die Geschichte seines Unfalls – in Bildern zu erzählen. „Der Berg ruft“ nannte er seine erste Bildergeschichte. Dann machte er sich an eine gezeichnete Südafrikareise. Es folgte die künstlerische Bewältigung von Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“. Weitere Stoffe der Weltliteratur wurden von Reigber aufgegriffen: Dürrenmatts „Die Physiker“, „Die Panne“ und „Die Ehe des Herrn Mississippi“, Frischs „Andorra“, Shakespeare’s „Romeo und Julia“, Nabakovs „Lolita“ und schliesslich Coelhos „Elf Minuten“. Innerhalb von sieben Jahren hat Reigber enorme künstlerische Fortschritte gemacht. Zum einen hat sich seine Zeichen- und Farbtechnik verfeinert, zum anderen lässt er heute viel mehr an rückhaltloser Darstellung von Gewalt und Sexualität zu als am Anfang. Waren die Farbflächen am Anfang noch recht monochrom, so sind sie in den letzten Bildergeschichten oszillierend wie die Flügel eines Schmetterlings, expressiv und nicht mehr an der visuellen Realität orientiert. Und immer wieder fällt auf, dass der Künstler die Untersicht wählt, die seiner Perspektive im Rollstuhl entspricht. Thematisch bevorzugt Oliver Reigber Stoffe, die mit Liebe und Sexualität, Tod und Gewalt zu tun haben. Es sind jene Fragen, die Marcel Reich-Ranicki als die zentralen Themen der Literatur bezeichnet hat. Obwohl sich Oliver Reigber oft mit düsteren Sujets auseinandersetzt, ist er ein beneidenswert fröhlicher, offener und hilfsbereiter Mensch. 2011 wurde er in Wehr (D) mit dem Lothar-Späth-Förderpreis ausgezeichnet. Im Jahre 2013 wurden mehrere Blätter von ihm in der Ausstellung „Nasen riechen Tulpen“ im Forum Würth Arlesheim gezeigt. Oliver Reigbers Werk ist in seiner Art einzigartig und würde eine Publikation in Bildbänden durchaus verdienen.

Thomas Brunnschweiler


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