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Ronald Saladin

Ronald Saladin

Ronald Saladin wurde 1964 geboren. Da es in der ganzen Region nur wenige Institutionen gab, die für Menschen mit einer Beeinträchtigung, wie er sie aufwies, geeignet waren, kam er in die Rudolf-Steiner-Schule in Savigny, die er bis 1980 besuchte. Bereits 1969 hatten die Eltern in Nordschweden ein Ferienhaus erworben. 1984 entschloss sich Vater Saladin, der bis dahin als Zolldeklarant gearbeitete hatte in der Gemeinde Strömsund, wo das Ferienhaus steht, einen Gastbetrieb zu eröffnen. In Schweden fühlt sich Ronald Saladin bis heute sehr wohl. Jedermann im Dorf kennt und schätzt ihn. Hier herrscht gegenüber Menschen mit einer Behinderung eine Einstellung, die viel stärker von Respekt und Wohlwollen geprägt ist als in der Schweiz. Nach dem Tod des Vaters im Jahre 1993 war die Rückkehr in die Schweiz für Ronald Saladin sehr schwierig. Am liebsten wäre er in Schweden geblieben. In der Orientierungsphase, in der er stundenweise im Tageszentrum Prisma in Basel arbeitete, suchte man eine Lösung. Das kantonale Wohnheim an der Pilgerstrasse erwies sich als geeignete Wohnstätte für den Mann, der Mühe hat, sich sprachlich auszudrücken und dennoch mehr versteht, als man ihm zutraut. Schon immer hatte Ronald Saladin leidenschaftlich gerne gezeichnet und gemalt. Als er 2007 in die Kreativwerkstatt des Bürgerspital Basel eintrat, war bald klar, dass er ein ausserordentliches Talent besitzt, seelische Zustände in seinem eigentümlichen krakeligen Duktus wie ein Seismograph aufs Papier zu bringen. Es sind der Schwung der Linienführungen, die Abwechslung von Lockerheit und bedrängender Dichte, die oft aufscheinende expressive Leuchtkraft und die Authentizität seiner Arbeiten, die Saladins Werke so unverkennbar und faszinierend machen. Das Raumgreifende von Saladins Strich macht stets jäh vor den Rändern Halt. Das scheinbar Chaotische ist gebändigt durch eine formale Gehaltenheit. Auf vielen Bildern erscheint ein R, die Initiale des Vornamens. Das künstlerische Potenzial von Ronald Saladin wurde 2013 auch beim Lothar-Späth-Förderpreis erkannt. Saladin erhielt den zweiten Preis dieser Auszeichung, mit dem Werke von Künstlerinnen und Künstler mit einer geistigen Beeinträchtigung gewürdigt werden. Eingereicht wurde ein Künstlerbuch mit Zeichnungen. „Diese Kraft und Kontinuität von der ersten bis zur letzten Seite haben uns überzeugt“, sagte Lilot Hegi, ein Mitglied der Jury. Werke von Saladin waren auch in der Ausstellung „Nasen riechen Tulpen“ im Forum Würth Arlesheim zu sehen. In der Kreativwerkstatt hat Ronald Saladin einen Ort gefunden, an dem er sich wohlfühlt und mit seinen speziellen Fähigkeiten wertgeschätzt wird. Die besten seiner Arbeiten halten dem Vergleich mit Cy Twombly und anderen Vertretern des abstrakten Expressionismus durchaus stand.

Thomas Brunnschweiler



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