die Aussteller
Martin Meyer
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Werner Lutz

Werner Lutz

„Werner Lutz: geboren 1930 in Wolfhalden (AR). Lebt und arbeitet als Maler und Lyriker in Basel.“
So, trocken und bündig, lauten die biografischen Angaben unseres Künstlers. Als Lyriker hat er in den letzten Jahren stetig wachsende Anerkennung gefunden, dank Übersetzungen ins Englische und Italienische auch international. Als Maler geht er seinen Weg in der Öffentlichkeit etwas bedächtiger. Zu unserer Freude richtet er nun aber in unserer Ausstellung ein Kabinett ein mit Bleistiftzeichnungen und farbigen Arbeiten jüngeren Datums. Und zwischen diese Bilder schiebt er kleine Tafeln mit Gedichttexten – Bild und Text. Text und Bild, auch in seiner zweiten „Biografie“:

„Aufgewachsen nah an einer Stallwand, zusammen mit Brennnesseln und Holunder, zwischen Hahnenfuss und Hühnerbeinen, von Wespen gestochen und von Bremsen, stehe ich noch immer dort. Auch auf der Sandsteintreppe bin ich anzutreffen, ein randvoll gefüllter Wassereimer, der für immer ein randvoll gefüllter Wassereimer bleibt. Ich bin zu hören als Webstuhl, der unten im feuchten Keller Seide webt, bin immer noch unterwegs, als ein Bellen, Maunzen, Grunzen, klirre als Kuhkette in der fellwarmen Dunkelheit. Ich liege als Brotlaib im Küchenkasten dampfe als Melissentee auf dem Stubentisch. Dort schreibt mein Vater, mit widerspenstiger Feder, mahnende Briefe an seine Söhne, liest in der Bibel, jene Abschnitte, die ebenfalls von Vätern und Söhnen handeln, von bitteren Enttäuschungen und bitterem Verzeihen.
Aufgewachsen mit den Brunnenworten einer Brunnenröhre, heftigen Worten bei Gewittern, spärlichen Worten in trockenen Zeiten, verstehe ich als einer der Letzten diese glitzernde Sprache. Ich habe mit allen Sinnen zugehört, den Hügeln, dem Winseln des Föhns, dem Falterflug nah am Ohr.

Und nun habe ich den Faden verloren, bin ein alter Mann geworden, der sich zurücksehnt und zugleich jene verflucht, die unsere Erde plündern und verwüsten. Nacht wächst über meinen Arbeitstisch, dichtdunkles Nachtgras, das morgen in aller Frühe gemäht werden wird.“





Wir trauern um Werner Lutz, der am 17. Juli 2016 im Alter von 85 Jahren verstorben ist.

Würdigungen:

Neue Zürcher Zeitung, 23.7.2016
(Nachruf von   Martin Zingg)

www.srf.ch/kultur/literatur/ Der Schweizer Lyriker Werner Lutz, 27.7.2016
(Gespräch von Esther Schneider mit Markus Bundi)

TagesWoche, 28.7.2016
(Nachruf von Rudolf Bussmann)

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