Leo Remond:
Geboren 1926 in Deutschland
Ausbildung an der Allgemeinen Gewerbeschule Basel
Langjähriger Leiter der Malgruppe Klingental der Psychiatrischen Universitätspoliklinik Basel
Lebt und arbeitet in Allschwil und Basel

Leo Remonds Arbeiten kreisen um sein lebenslängliches Thema: die Schilderung menschlicher Situationen. Remond stellt Menschen auf eine Bühne, einzeln oder in Gruppen, Menschen, die über ihr Schicksal oder den Sinn ihres Lebens monologisieren, nachdenken, diskutieren, Nähe und Geborgenheit suchen oder abweisen, von Sehnsucht, Trauer, Lust oder Auflehnung beherrscht werden. Häufig unterbrechen jedoch die Protagonisten ihr Selbstgespräch, ihren Dialog, damit der Bildbetrachter nicht zu tief in ihre Gedankenwelt eindringen kann - Remonds künstlerische Mittel geben diesen Szenen jedoch eine geheime Bedeutung, die sich nicht entschlüsseln lässt, den Betrachter jedoch auf seltsame Weise ins Geschehen einbezieht.


"Ein grosses Thema herrscht vor, ein Motiv" – ein "Klang" auch, und insofern ist das Motiv ebenso ein "musikalisches": das Verstecken. Selbstverständlich bezieht das Verstecken das Versteckte mit ein, und so ergibt sich die grosse Dialektik im Lebenswerk von Leo Remond, dass da einer malt und zeichnet, also zeigt, um als wesentlichen Zweck seines Arbeitens ein Etwas nicht zu zeigen. Nicht das Abwesende als Bild, das gibt es ja auch, sondern das Versteckte – das ist ein wesentlicher, feiner Unterschied... . Die Bilder tragen alle das deutliche, das hervorgehobene Merkmal des Geheimnisses, des Geheimnisses als solchem – und nicht seiner Lösung oder Entschleierung. Damit ist bereits geklärt, dass Leo Remonds ... künstlerischer Fixpunkt in der Darstellung des Menschen liegt, denn nur der Mensch versteckt, verbirgt, nur der Mensch schafft Geheimnisse .... 
Man darf von ihm nicht erwarten, er bringe Licht und Erhellung ins Verdunkelte, Unverstandene. Je tiefer er dorthinein dringt, je künstlerischer er damit umzugehen weiss, je eigenartiger seine Malsprache wird, desto verrätselter wird und muss sein, was er malt und zeichnet ...
"Es ist das Innerste, was ich male, aber das Innerste kann man nicht zeigen". Unter dieser Unmöglichkeit, unter dieser Unfähigkeit von uns allen leiden die Menschen auf Leo Remonds Bildern, und derselbe Widerspruch spiegelt sich auf ihren Gesichtern, formuliert sich in den Masken, die sie – wir – uns entgegenhalten ...

Zitate aus der Monografie; "Leo Remond" von Tadeus Pfeifer (Friedrich Reinhardt Verlag, Basel, 1991)


"Altersweisheit am Abgrund" - Leo Remond, in Basel bekannt für seine surrealen Masken-Bilder, die sich zusammen- oder auseinanderfalten in immer gespenstischere Formen, hat als Maler und Weltinterpret die Rolle des traurigen Weissen Clowns gewählt. In dieser kann er weise sein, gütig, bodenlos frech, traurig, tröstend, unheimlich, angsteinflössend - eben den ganzen Menschen erfassend, entlarvend, immer figürlich. ...

Tadeus Pfeifer zur Ausstellung 2007 in der Galerie Die Aussteller


"Ich werde häufig nach meinen Masken gefragt. Ich habe die folgende Antwort: Der Mensch besteht aus drei Menschen: wie du angeschaut wirst, wie du dich selbst empfindest, und wie du wirklich bist. Das sind drei sehr grosse Differenzen. Und dies versuche ich, in meinen Bildern zu zeigen. Das ist mein Malprogramm. Wenn Ihr sonst noch was wissen wollt, müsst Ihr fragen."

Leo Remond in einem Gespräch anlässlich seiner Ausstellung "Menschliche Situationen", November/Dezember 2004