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Die Galerie mit  dem roten Punkt
St.Alban-Vorstadt 57, 4052 Base
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Erich Münch

 


 

Erich Münch

Tanzsuite, ma petite comédie humaine, Luftgespinste,
la trilogie des dragons – und andere Rätsel

Wie sich komplexe Strukturen aus höchst einfachen Prozessen entwickeln, das ist die Lektion, die wir aus dem Studium der Struktur lebendiger Organismen und tierischer wie menschlicher Gesellschaften lernen können.

György Ligeti

Seit gut 10 Jahren beschäftige ich mich mit einer verachteten Kunstform, dem „Ornament“. Es steht (stand?) unter dem Generalverdacht überlebter Dekoration. Mich reizte es, diese Haltung in einem länger dauernden Prozess zu hinterfragen.

Bewusst ging ich zunächst von einem klassisch/symmetrischen Repertoire aus, mit dem Ziel seiner allmählichen Auflösung. Bald war ich aber unwiderstehlich fasziniert vom Formenreichtum, der mit einfachsten Mitteln zu erzielen war. Diese ersten Schritte bildeten den grössten Teil meiner Ausstellung Spiegelungen („die Aussteller“, Basel 2003).

In einer zweiten Phase entstanden aus einer Grundgestalt vermehrt wuchernde Gebilde, die etwa mit biomorphen Formen oder genetischen Prozessen (auch Fehlleistungen!) assoziiert werden konnten, beides aber mehrheitlich noch gefangen in der symmetrischen Logik des Kaleidoskops („die Aussteller“, Basel, 2006, Ausstellungstitel: Metamorphosen der Fliege Drosophila).

In den seither entstandenen Bildern glaube ich, meinem ursprünglichen Ziel nahe gekommen zu sein. Meine früher kompakte Bildwelt löst sich auf, ohne ihre Herkunft vom Ornamentalen ganz zu verleugnen, und die hybrid gewordenen Gestalten bewegen sich im freien Raum. Bedrohung nimmt überhand, und das scheinbar Gefestigte des klassischen Ornaments entpuppt sich als Schutz vor seinem eigenen Chaos.

Kontrastierend zu diesem sehr zeitaufwändigen Teil der Ausstellung zeige ich eine Auswahl eines kleinformatigen work-in-progress „ma petite comédie humaine“, eine Anspielung auf das monumentale Romanwerk Balzacs. Anklänge an stilistische „Vorfahren“ sind weder bewusst gesucht noch bewusst vermieden.

Dinge fallen herunter und zerbrechen. Die Unordnung nimmt zu. Zeit existiert nicht. Bewegung gibt es nicht. Nur Dinge in verschiedenen Konfigurationen, Tausende, Abermillionen von Dimensionen. Wir sind es, die ihnen eine Ordnung geben. Wir spüren einen Fluss, aber in Wirklichkeit gibt es nur den Ozean.

Richard Powers „Der Klang der Zeit“

22.01.2009

Studie zu La Trilogie des Dragons
2008, Acryl auf Karton, 20 x 12 cm

aus: La comédie humaine
aus: La comédie humaine